DICHTERKREIS JAGDLYRIK IM BJV

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Denen noch die Lerche singt

André Knipp

 

Aus hoher Eichenkrone

der alten Lerche Sang

in ihrer schönsten Weise,

doch sorgenvoll im Klang.

 

Welch weiser Sänger, der da mahnt,

die Jagd nicht nur im Schuss zu sehen.

Auch ohne Beute manchen Tag

durch’s grüne Paradies zu gehen.

 

Ein Schießer wollt erlegen

im Mai den siebten Bock.

Im Lied hört er die Klage

und schämt sich seinem Rock.

 

Das Reh lauscht still der Lerche,

der Schütze mit sich ringt.

Für den Bestand der Tiere

so wunderschön sie singt.

 

„Den Bock, den lass ich leben.

Heut‘ ruhen das Gewehr.

Als Waidmann möcht‘ ich jagen,

als Schießer nimmer mehr.“

 

 

Herbstliches Abenddämmern

Ottokar Wagner

 

Leise kommt der Herbst geschlichen,

wie ein Dieb in Mondscheinnacht,

wo der Sommer kaum verblichen,

der nach Träumen süchtig macht.

 

Über stillen Ackerbreiten

hängt der Duft erfüllter Pflicht.

Herbstlich Farben jetzt begleiten

seidner Tage Dämmerlicht.

 

Eingedenk der vielen Gaben,

von der Sonne reich verschenkt,

wächst der Dank dafür erhaben,

den das Herz nach oben lenkt.

 

Wälder, Moore, weite Wiesen

ruhn im letzten Abendschein.

Dunst steigt auf, und im Zerfließen

hallt des Reihers Ruf herein.

 

 

Meine Grüne Kirche

André Knipp

 

Der Wald ist meine Kirche,

oft zieht es mich dort hin.

Wo ich mit Freud‘ und Schmerze,

dem Schöpfer nahe bin.

 

Die mächt’gen, dunklen Stämme

steh’n wie ein Säulengang,

es klingt von der Empore

der Vögel leiser Sang.

 

Wo lautlos zieh’n die Hirsche,

der Rehbock munter springt

und Werden und Vergehen

im gleichen Rhythmus schwingt.

 

Aus vieler Leben Ende,

vergangen Jahr um Jahr,

spricht hier der Boden Bände,

gibt Nahrung immerdar.

 

An diesem stillen Orte

ist’s Alter eine Ehr’,

und wenn man einmal da war,

dann kommt man ewig her.

 

 

Der Wonnemond

Hans H. Milles

 

Des Launings Bürde muss er tragen,

der schöne Blumenmonat Mai,

doch bleibt kein’ Zeit dies zu beklagen,

auch kein’ Raum für Spöttelei.

 

Denn wieder ruht auf ihm die Last,

so viel Leben rasch zu wecken,

und außerdem, bei all der Hast,

sich nach dem Sommer noch zu strecken.

 

Winterausklang

Hans H. Milles

 

Der Winter, häufig unbequem

Aus mancher Sicht und außerdem

Lässt schwerlich sich bewegen,

Sein Frostbett aufzugeben.

 

Darin er störend lang verweilt,

Kein Gast sollt sich so zeigen,

Der Lenz ihm schon entgegeneilt

Mit lieblich zarten Reigen.

 

Naturerwachen, Neubeginn,

Der Sonne wärmend Zeichen,

Zaghaft und doch immerhin,

Wird Hornungs Herz erweichen.

 

 

Waldsehnsucht

Ottokar Wagner

 

Weich fiel der Schnee in kleinen Flocken.

Da zog’s mich in den Wald hinaus.

Es war ein frohsinnig Verlocken,

das mir gefehlt im warmen Haus.

 

So griff den Pelz ich mir vom Haken,

und nahm die Büchse aus dem Schrank.

Dann zog ich los durch Schnee zu staken,

in dem mein Fuß dort tief versank.

 

Ich saß am Waldrand viele Stunden.

Sah Has und Reh auf Wintersaat.

Hab tiefen Frieden da gefunden,

den mir die Nacht bereitet hat.

 

Die Kugel blieb im Lauf verschwiegen.

Ein Frevel wär’s in dieser Stund.

Sie zu entweihn, hieß unterliegen.

Des Jägers Seele würde wund.

 

Wo demutsvoll sich Äste beugen,

vom Schnee und Mondlicht weich umhüllt,

da muß auch still der Mensch bezeugen,

daß andrer Hunger hier gestillt.

 

Wer, frag ich mich,  ist’s denn gewesen,

den diese Winternacht beschenkt.

War’s  Waidmanns oder Kindes Wesen?

Ich weiß es nicht was mich gelenkt.

 

 

Jagdmoral

Alfred Bruske

 

Wer die Natur noch

Schöpfung nennt,

im Wild die Kreatur

erkennt,

im Wald und Feld lebt

viele Stunden

weiss sich dem Schöpfer

wohl verbunden.

 

 

Meine Berge

Hans H. Milles

 

Komm, ich zeig dir einen Ort,

So friedlich still gelegen,

Dort, wo der Fels zum Himmel schaut,

Fernab von lauten Wegen.

 

Heroben sollst du niederknien

In später Sommernacht,

Hier siehst du tausend Sterne blühn,

Begreifst des Schöpfers Macht.

 

Halt inne, sei nur andachtsvoll

Und lausch der Berge Lied,

Niemals wirst du je ergründen,

Was nun mit dir geschieht.

 

Übermächtig, wundersam

Wie eine Kraft dich hält,

Und wenn du tiefe Ehrfurcht fühlst,

Dann ist’s auch d e i n e Welt.

 

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